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Treppenluftkanal

20 x 6 m mit Stickstoff Aircompression und Gegenformdüsen.

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Stair duct

20 x 6 m with nitrogen aircompression and counter-form nozzles.


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Übergangsobjekte

Drei Arbeiten von Johann Schrallhammer oder vom Geben und Nehmen der Identität

Von Dr. J. Emil Sennewald

  1. Form

“…Hervorbringen bedeutet Gestalten ins Dasein rufen, und das heißt, alles erfüllen mit Betrachtung.”

Plotin[i]

Das “langweiligste Experiment der Welt” (NZZ) begann 1957 in Brisbane, Australien. Professor Thomas Parnell füllte erwärmtes Pech in einen unten geschlossenen Glastrichter. Drei Jahre später hatte sich der schwarze Stoff mit der 230 milliardenfachen Viskosität von Wasser gesetzt. Parnell öffnete den Trichter. Der erste Tropfen fiel 1968. Das Experiment wurde fortgeführt, inzwischen starb der Professor, ein anderer übernahm, die Umgebungsbedingungen änderten sich, durch Einbau einer Klimaanlage, durch Berühmtheit des Experiments. Der achte Tropfen fiel am 28.11.2000. Das Experiment dauert an. Obwohl inzwischen eine Webcam permanent die Installation überwacht, hat nie ein Mensch einen Tropfen fallen sehen – beim achten war die Anlage ausgefallen.

Zu sehen ist eine Form, das aus dem Trichter austretende Pech hat die Gestalt eines lang gezogenen Tropfens. Alle Blicke sind auf ihn gerichtet, als würde er zeigen, was die Zeit den Augen entzieht: Bewegung, Fließen, Wandel. Johann Schrallhammer, geübt im Bearbeiten von Stahl, diesem unter Hitze aus Eisen und Kohlenstoff geronnenen harten Stoff, hebt mit “Pechkubus” hervor: Pech täuscht das Auge. Scheinbar fest, ist es flüssig. Scheinbar in Form, verliert es sie permanent. Seine Viskosität macht Pech, in seiner anderen Gestalt als Teer, inzwischen durch den weniger gesundheitsschädlichen Asphalt ersetzt, zu idealem Straßenbelag. Heiße Sommer oder die Stuhlbein-Abdrücke vor Cafés erinnern daran, dass Bürgersteige ein fließender, klebriger Grund sind.

“Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, so lange sie lebte, nicht abgehen”[ii] endet das Märchen von der Frau Holle. Ein Übergangsmärchen, es erzählt mehrfach vom Übersetzen: aus der mündlichen Überlieferung in die Schrift, aus der einen in eine andere Welt, aus Armut in Reichtum. Es erzählt vom Geben und Nehmen. Ein Kernthema von Johann Schrallhammer, der sich mit der Frage von Form, Stoff, mit den Übergängen zwischen beiden und ihrer Identität auseinandersetzt.

Im “Pechkubus”, einer langsam zerfließenden Skulptur, formuliert sich das durchs Material selbst. Unübersehbar der Bezug zu Robert Morris’ “Anti Form”-Konzept aus den 70er Jahren oder Dan Grahams Begriff der “In-Form”. Morris setzte mit seinen “Felt Pieces” Befreiung von Formatierungen des Sehens, Erlebens und Handelns ins Bild. Graham präzisierte die Arbeit am Formlosen als eine am Begriff der Form selbst. Beide Künstler reflektierten Prozessualität von Form und Modalitäten des Objekts. Und führten, statt starrer Subjekt-Objekt-Oppositionen, ein Gefüge aus Formung und Identifizierung, Gestalt und Identität ein, das sich im Handlungszusammenhang einstellt. Glaubte man bisher, passiver Stoff werde durch aktive Form gestaltet, so wurde nun betracht- und erkennbar, dass Stoff selbst Form inhärent ist. Der Begriff “formlos” hat nurmehr in Abhängigkeit von einem durch Gestaltung erzeugten Beziehungsgefüge noch Sinn.

Im Kunstwerk bilden Stoff und Form kein identisches Objekt in Gestalt von “a = a”, sondern nehmen Identität, die für ein betrachtendes und handelndes Subjekt relevante Bezugsform, im Verlauf wechselseitiger Bedingung an – das Gleichheitszeichen hätte folgende Gestalt: a ⇌ a. Der Doppelstrich der Identitätsgleichung stellt als Zwischenraum zwei Entitäten gegenüber, die so erst in Beziehung, Bewegung geraten. Nimmt der “Pechkubus” noch den Gestus der “Anti Form” auf, indem er das Streben des Stoffes aus der Form inszeniert, hat Schrallhammer diesem doch eine kubische Form aufgezwungen. Es geht also nicht um Dematerialisierung oder Prozessualisierung des Werks, sondern um Selbstverformung des Objekts.

Der Stoff nimmt sich eine Form. Das wird nur sichtbar, weil ihm zuvor eine Form gegeben wurde. Durch den künstlerischen Akt betrachtbar gemacht, entzieht sich die Formgewinnung des Stoffes zugleich der Wahrnehmung, da er extrem langsam vor sich geht. Genau dieser in der Zeit gelösten Formwandlung ist der Blick verhaftet, ihr verdankt das Kunstwerk seinen Reiz.

Zwischen Formlosigkeit, Stoff, Form, Gegenstand und Betrachter läuft eine Kreisbewegung ab, in der jeder Akteur den anderen unterhält, anregt, aufruft. So wird die Formwandlung des “Pechkubus” Sinnbild einer grundlegenden Beziehung zur Welt, die sich in der Übersetzung vom einen zum anderen formuliert.

2. Übergangsraum

“Die Bodenlosigkeit des abendländischen Denkens beginnt mit diesem Übersetzen.”

Martin Heidegger[iii]

Die Form des Kunstwerks “Pechkubus” findet sich zwischen zwei Zuständen. Eine Skulptur im Fluss, nicht mehr in einer, noch nicht in der anderen Form. Ein Objekt, das weder dem gestaltenden noch dem rezipierenden Subjekt ganz zugehört – ein “Übergangsobjekt” im Sinne von Winnicott[iv]: “Die geliebten Dinge werden vom Kleinkind gleichermaßen entdeckt wie erschaffen, sie stellen eine Erweiterung der inneren Welt des Kindes dar und sind doch unzweifelhaft außerhalb wie unabhängig von ihm. Sie helfen dabei, einen Zwischenraum zwischen innerer Realität und Außenwelt zu schaffen, einen Raum der Illusion, in dem das Objekt subjektiv aneignet und das Subjekt andererseits mit dem Objekt verwebt werden kann.”[v]

Nehmen wir diesen “Raum der Illusion” als Raum der Kunst, im hier spezifischen Fall als Raum des bildkünstlerischen Objekts: Die Übertragung aus der Psychoanalyse in den Produktionszusammenhang der Kunst legt Winnicotts Therapiemethode selbst nahe. Er erforschte den produktiven Zwischenraum von Schöpfung und Aneignung, Geben und Nehmen des Objekts mit dem “squiggle game”, einer spielerischen Art gemeinsamen Zeichnens. Hierfür bat er das zu analysierende Kind, eine Arabeske, die er aufs Papier zeichnete, zu komplettieren. In der Lektüre des entstehenden Bildes kam er in Kontakt mit einem Bereich, der beiden Partnern erst durch das künstlerisch gestaltete Objekt, die Zeichnung zugänglich wurde. Durchs Blatt Papier wurde wie durch eine Glasscheibe sichtbar, was sonst verborgen, verdrängt blieb.

Das “Intersubjektive Gleichgewicht” (Wittmann), das notwendig ist, um diesen Effekt gegenseitiger Transparenz zu erreichen, ist nur über das Objekt zu haben – und es bleibt nur das Objekt “greifbar” im Sinne einer Materialisierung eben jener Intersubjektivität, deren Grund es bildet. Dem Kunstwerk kommt “nicht einfach die Rolle eines dritten Akteurs zu[…]; sie steht vielmehr als ein Agent zwischen zwei Akteuren, sie arbeitet wesentlich an der Erosion der Abgrenzung zweier Subjekte.”[vi] Diese Abgrenzung erodiert, doch sie verschwindet nicht. Sie wird als Grenze wahrnehm- und formbar, ermöglicht für den Moment des gemeinsamen Zeichenprozesses, die Umrisse einer Identität wahrzunehmen, die sich sonst hinter ihrer eigenen Form – der des gestörten Kleinkindes und der des Analytikers – verbirgt.

Im Übergangsraum kontaminieren sich Ich und Anderes, Innen und Außen, Nehmen und Geben. Über das gemeinsame Objekt wird das Gegenüber angesteckt – eine “romantische Krankheit”, mit der man sich aus dem Illusionsraum des rein Imaginären löst, sich vorübergehend an ein Objekt bindet, um sich in seiner Realität wahrnehmen zu können. Es ist unmöglich, ohne dieses Objekt Zugang in den anderen Raum zu erhalten. Das imaginäre Objekt öffnet den Blick auf den Anderen, das Objekt der Imagination verstellt den Zugang zu dessen Sphäre, die nur durch es existiert: für ein wahrnehmendes Bewusstsein kommensurabel wird.

War in der Identitätsformel “a=a” der Doppelstrich jener relationale Motor, der einem identifikatorischen Beziehungsgefüge Form gibt, so lautet die Formel im Übergangsraum: “Ich – nicht – Ich”. Die Negation des Ich verkörpert sich in dem, was ihm nicht angehört, was ihm äußerlich ist. Im Zug zwischen den Zuständen formuliert, formt sich das Ich.

Es muss kaum explizit erwähnt werden, dass Johann Schrallhammers Arbeit “Quarantäne” diesen Übergangsraum und die Unmöglichkeit inszeniert, auf die andere Seite zu gelangen. Wir können den anderen sehen, doch nicht zu ihm gelangen. Immerhin: wir können ihn auch, durch all die Bilder und Vorstellungen hindurch, die wir uns von ihm hinter den Übergangsobjekten machen, umarmen und halten.

3. Entzug

“Mit welcher Kraft beweisen sie uns, dass die für immer verlorenen Häuser in uns leben.”

Gaston Bachelard[vii]

Eines der wirkmächtigsten Gemälde der Moderne ist Duchamps “Akt, eine Treppe herabsteigend Nr. 2” (1912). Von Kritik wie Kollegen mit viel Ablehnung aufgenommen, entfaltete das Gemälde seinen Einfluss aus der Polemik, als Zitat und in der Überbietung. Duchamp wendete mit dem Gemälde Muybridges Synchronfotografie in die Malerei und stellte sich mit den übereinander gelegten geometrischen Formen einem Zentralproblem bildkünstlerischer Arbeit: der Bewegung im statischen Medium, die Darstellung der “brise imaginaire”[viii]. Bei Duchamp tritt sie als seine eigene, künstlerische Bewegung hervor. Mit dem “Akt” überwand er seine frühe künstlerische Arbeit als Maler, findet zum Objekt und schließlich zum ready made. Im Kunstwerk wird diese innere Wendung zur fundamentalen Kehre. Es gibt eine kleine Zeichnung von Miró gleichen Titels aus dem Jahr 1924, auf der den statischen Elementen eine einzige, feine geschwungene Linie gegenübergestellt ist. Für Uwe Fleckner markiert die Zeichnung “nichts Geringeres als den surrealistischen Bruch mit der bis dahin vorherrschenden Avantgarde”.[ix]

Das Bild zeigt, was es ist: Übergang; von einem in einen anderen Zustand, von einem in einen anderen Raum. Im spezifischen Fall von Mirós Zeichnung ist dieser Übergang durch dessen Form der Abstraktion definiert, die das Bild aus den Formen und Zeichen zugeordneten Assoziationen des Betrachters ableitet. Das Bild versammelt nicht zahlreiche Ansichten des Außenraums in einem kubistischen, multiperspektivischen Bildraum, es ist Raum des Anstoßes, lenkt den Blick in den Betrachter zurück. Statt ein Außen über seine nicht-sichtbaren Seiten im Bild darzustellen, nimmt das Bild dieses Außen, um ein Innen zu geben. Der Übergangsraum, der das Kunstwerk konstituiert, wird geleert, es bleiben Andeutungen, die im reichen Pool der Bilder suchen, was zu sehen sein könnte.

Duchamps Akt und seine Folgen machten für die bildende Kunst fruchtbar, was später der Philosoph Gilbert Simondon “relative Äußerlichkeit des Bildes”[x] nennen wird. Jedes Bild ist bereits Ergebnis eines imaginären Prozesses, der aus einem Lichteindruck ein Bild macht. Dieser Prozess ist abhängig von äußeren Objekten, eben dem Bild-Objekt, und von inneren Objekten, den imaginären Gegenständen. Zwischen beiden gibt es einen Austausch. Anders als das wahrnehmende Subjekt, das durchs Objekt getrennt bleibt von der Welt, die es zu sehen begehrt, können Bilder Seiten wechseln, können ganz der Welt der Objekte und zugleich ganz jener der Subjekte zugehören, jeweils neue Bündnisse eingehen. Sie sind “relativ äußerlich”. “Nahezu alle vom Menschen hergestellten Gegenstände”, schreibt Simondon, “sind in gewissem Maße Bild-Objekte; sie tragen latente Bedeutungen, nicht nur kognitive, sondern auch konative und affektiv-emotive Bedeutungen; Bild-Objekte sind nahezu Organismen, oder zumindest Keime, die wieder zum Leben kommen können und sich im Subjekt entwickeln.”[xi] Jedes Bild-Objekt ist Übergangsobjekt. Es steht zwischen seinem Eigenleben und dem, das ihm gegeben wird. Es ist “latent” in seiner Bedeutung und seinem Dasein.

Johann Schrallhammer stellt mit dem “Pechkubus” die Äquivalenz von Handlungszusammenhang und Formwandlung dar. “Quarantäne” thematisiert die notwendige Trennung vom Anderen durch das Bild-Objekt, das ihn gleichwohl erst als solchen haltbar macht. Mit der “Treppe im Windkanal” tritt hinzu, was in beiden Beziehungsgefügen zwischen Bild – Welt, Ich – Objekt dessen Bezugnahme selbst bedingt. Die Arbeit antwortet auf die Frage, wodurch überhaupt die Hinwendung zu einem Bild-Objekt möglich wird: durch Entzug. Wie sich der Pechkubus einer definierten Form entzieht, wie sich das Gegenüber in Quarantäne dem unmittelbaren Zugriff entzieht, so entzieht sich die Treppe im Windkanal sowohl der festen Form, wie dem Zugang zum Anderen, ihrem Zweck. Sie ist ein in Bewegung befindliches Bild-Objekt, zeichnet im Entzug den Umriss des Objekts und all die bildlichen Konnotationen, all die “Keime”, die mit der Treppe verbunden sind. Indes: sie erlaubt keinen Gang. Man kann die Treppe nicht ersteigen. Sie ist eben in diesem Sinne Bild: “artifizielle Präsenz”[xii] des Objekts. Ihre Artifizialität, ihr illusorischer Charakter entzieht sie der Benutzung und zugleich wird sie durch diesen Entzug präsent, als Bild-Objekt.

Schrallhammers Treppe im Windkanal öffnet einen Übergangsraum, der auf ein anderes Niveau, eine andere Ebene führt. Eine Vorzeichnung, Umriss dessen, was werden kann. Unmöglich, hier stehen zu bleiben. Das Bild-Objekt zieht mit seinen formalen Konnotationen und kunsthistorischen Bezügen den Betrachter in den Prozess der Bilder hinein. Im Wiedererkennen der Form, im Zuordnen der Referenzen sucht der Blick zu fixieren, was das Auge sieht, um über das Objekt zu Identität zu gelangen. Johann Schrallhammer weiß das. Deshalb baut er Objekte, die sich verändern, verflüchtigen. Er ruft mit Formen und Materialien Bilder auf, jedoch nicht, um den Blick aufs Innere des Betrachters zu lenken. Seine Objekte führen in den Außenraum, durchs Bild-Objekt hindurch, und wir verstehen: Um über das Kunstwerk zur Welt zu gelangen, muss der Übergangsraum verlassen werden.


Anmerkungen

[i] Enn. III, 8 (30 = « Über die Natur, die Betrachtung, das Eine »), 7, 21–25, zit. nach: Marcus Coelen: « Morf – vom Umriss der Form », Armen Avanessian (éd.), Form. Zwischen Ästhetik und künstlerischer Praxis, Zürich – Berlin, diaphanes, 2009, p. 65-82, hier p. 70

[ii] Brüder Grimm: « Frau Holle », Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, 1857, http://de.wikisource.org/wiki/Frau_Holle_%281857%29, 14.4.2010

[iii] « Der Ursprung des Kunstwerkes », Martin Heidegger: Holzwege, Frankfurt/Main, Vittorio Klostermann, 1963 (4. Aufl.), p. 13

[iv] Donald W. Winnicott: Übergangsobjekte und Übergangsphänomene. Eine Studie über den ersten, nicht zum Selbst gehörenden Besitz, zuerst als Vortrag 1951, dann engl. 1953; dt. in: Psyche Nr. 23, 1969

[v] Barbara Wittmann: « Squiggle Game. Vom Witz des Zeichnens zu vier Händen », deutschsprachiges Manuskript zum Beitrag « Le squiggle game : L’esprit du dessin à quatre mains », in: Roven, revue critique sur le dessin contemporain, no. 2, automne-hiver 2009-2010, p. 56-57.

[vi] Barbara Wittmann, a.a.O.

[vii] Gaston Bachelard: Poetik des Raumes. Aus dem Französischen von Kurt Leonhard., Frankfurt/Main, Fischer, 2003 (7. Auflage), p. 74

[viii] Aby M. Warburg: « Sandro Botticellis „Geburt der Venus“ und „Frühling“. Eine Untersuchung über die Vorstellungen von der Antike in der italienischen Frührenaissance. [1893] », Aby M. Warburg, Ausgewählte Schriften und Würdigungen, hg. v. Dieter Wuttke , Baden-Baden, 1992, p. 11-65, p. 24

[ix] Uwe Fleckner: « Zeichnung als Kritik. Miró, Duchamp, Warburg und ein Akt, der eine Treppe herabschreitet », Werner Busch (éd.), Randgänge der Zeichnung, München, Fink, 2007, p. 325-342, hier p. 341.

[x] Gilbert Simondon: Imagination et Invention (1965–1966), Chatou, Les Éditions de la Transparence, 2008 (Édition établie par Nathalie Simondon et presentée par Jean-Yves Chateau), p. 8, Übersetzung J.E.S.

[xi] Gilbert Simondon: Imagination et Invention (1965–1966), a.a.O., p. 13, Übersetzung J.E.S.

[xii] Lambert Wiesing: Artifizielle Präsenz. Studien zur Philosophie des Bildes, Frankfurt/Main, Suhrkamp, 2005

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Intermediate

Three works by Johann Schrallhammer or the giving and taking of identity

by Dr. J. Emil Sennewald

  1. Shape

“… Bringing forth means calling things into existence, and that means fulfilling everything with contemplation.”

Plotin[i]

The “most boring experiment in the world” (NZZ) began in 1957 in Brisbane, Australia. Professor Thomas Parnell filled warm edluck into a bottom-closed glazer. Three years later, the black fabric had sat down with 230 billion times the viscosity of water. Parnell opened the funnel. The first drop fell in 1968. The experiment continued, meanwhile the professor died, another took over, the environmental conditions changed, by installing an air conditioner, by celebrity of the experiment. The eighth drop fell on 28.11.2000. The experiment continues. Although a webcam now constantly monitors the installation, no one has ever seen a drop fall – in the eighth, the system failed.

One form is seen, the unlucky coming out of the funnel has the shape of a long drawn drop. All eyes are on him, as if he were showing what time takes away from his eyes: movement, flow, change. Johann Schrallhammer, trained in the processing of steel, this hard material, which has been roughed under heat of iron and carbon, emphasizes with “Pechkubus”: Bad luck deceives the eye. Seemingly solid, it’s liquid. Seemingly in shape, it loses them permanently. Its viscosity makes bad luck, in its other form than tar, now replaced by the less harmful asphalt, an ideal road surface. Hot summers or the chair leg prints in front of cafes remind you that sidewalks are a flowing, sticky ground.

“But the bad luck stuck to her and, as long as she lived, did not want to leave”[ii] ends the fairy tale of Mrs. Holle. A transitional fairy tale, it tells several times about translation: from the oral tradition into the scriptures, from one world to another, from poverty into wealth. It tells of giving and taking. A core theme of Johann Schrallhammer, who deals with the question of form, fabric, the transitions between the two and their identity.

In the “unlucky cube”, a slowly disintegrating sculpture, this is formulated by the material itself. The reference to Robert Morris’s “Anti Form” concept from the 1970s or Dan Graham’s concept of “in-form” is unmistakable. Morris put his “Felt Pieces” liberation from formatting of seeing, experiencing and acting into the picture. Graham clarified the work on the formless as one of the notions of form itself. Both artists reflected the processuality of the form and modalities of the object. And instead of rigid subject-object oppositions, they introduced a structure of formation and identification, form and identity that is in the context of action. Previously, it was believed that passive fabric was designed by active form, but now it became apparent that fabric itself is inherent in form. The term “formless” only has meaning in relation to a relationship structure created by design.

In the work of art, fabric and form do not form an identical object in the form of “a = a”, but assume identity, the reference form relevant to a subject that is contemplating and acting, in the course of a reciprocal condition – the equal sign would have the following form: a a. The double stroke of the identity equation juxtaposes two entities as an interspace, which thus first come into relation, movement. If the “pechkubus” still takes up the gesture of the “anti-form” by staging the strut of the fabric from the form, Schrallhammer has forced a cubic form on it. It is therefore not a question of dematerialization or processualization of the work, but of self-deformation of the object.

The fabric takes a shape. This only becomes apparent because it has been given a form before. Made contemplatible by the artistic act, the formation of the material also eludes perception, as it proceeds extremely slowly. It is precisely this transformation of form, which was dissolved in time, that the gaze is arrested, and the work of art owes its charm to it.

Between formlessness, fabric, form, object and viewer, a circular movement takes place in which each actor entertains, stimulates, calls the other. Thus the transformation of the form of the “pechkubus” becomes a symbol of a fundamental relationship with the world, which is formulated in the translation from one to the other.

2. Transition room

“The groundlessness of Western thinking begins with this translation.”

Martin Heidegger[iii]

The form of the artwork “unlucky cube” can be found between two states. A sculpture in the river, no longer in one, not yet in the other form. An object that does not belong entirely to the designing or the recipient subject – a “transitional object” in the sense of Winnicott[iv]: “The beloved things are discovered by the toddler as well as created, they represent an extension of the inner world of the child and yet are unquestionably outside as independent of him. They help to create a space between inner reality and the outside world, a space of illusion in which the object can be subjectively appropriated and the subject can be weaved with the object on the other.”[v]

Let us take this “space of illusion” as a space of art, in this case specific case as a space of the pictorial object: the transfer from psychoanalysis into the production context of art suggests Winnicott’s method of therapy itself. He explored the productive space between creation and appropriation, giving and taking the object with the “squiggle game”, a playful kind of joint drawing. For this purpose, he asked the child to be analyzed to complete an arabesque, which he drew on paper. In reading the resulting image, he came into contact with an area that was only accessible to both partners through the artistically designed object, the drawing. Through the sheet of paper became visible as if by a glass pane, what was otherwise hidden, displaced.

The “intersubjective equilibrium” (Wittmann) necessary to achieve this effect of mutual transparency can only be had through the object – and only the object remains “tangible” in the sense of a materialization of that very intersubjectivity, the reason for which is the forms it. The work of art “does not simply play the role of a third actor[…]; rather, it stands as an agent between two actors, it works essentially on the erosion of the demarcation of two subjects.”[vi] This demarcation erodes, but it does not disappear. It becomes perceptible and malleable as a boundary, enabling the moment of the common drawing process to perceive the outlines of an identity that otherwise hides behind its own form – that of the disturbed toddler and that of the analyst.

In the transition room, I and others, inside and outside, are contaminated, taking and giving. Through the common object, the opposite is infected – a “romantic illness” with which one detaches oneself from the illusion space of the purely imaginary, temporarily binds oneself to an object in order to be able to perceive oneself in its reality. It is impossible to gain access to the other room without this object. The imaginary object opens the view to the other, the object of imagination obstructs the access to its sphere, which exists only through it: becomes complacency for a perceptive consciousness.

If in the identity formula “a=a” the double stroke was that relational motor that gives shape to an identifiable relationship structure, the formula in the transition space is: “I- not – I”. The negation of the I is embodied in what does not belong to him, what is external to him. Formulated in the train between states, the self forms.

It is hardly necessary to mention explicitly that Johann Schrallhammer’s work “Quarantine” stages this transition space and the impossibility of getting to the other side. We can see the other, but we cannot get to him. After all, we can embrace and hold him through all the images and ideas we make of him behind the transitional objects.

It is hardly necessary to mention explicitly that Johann Schrallhammer’s work “Quarantine” stages this transition space and the impossibility of getting to the other side. We can see the other, but we cannot get to him. After all, we can embrace and hold him through all the images and ideas we make of him behind the transitional objects.

3. Entzug

“With what power do they prove to us that the houses that are lost forever live in us.”

Gaston Bachelard[vii]

One of the most powerful paintings of modernism is Duchamp’s “Act, Descending a Staircase No. 2” (1912). Taken with much opposition by critics and colleagues alike, the painting unfolded its influence from polemics, as a quotation and in the outbidding. With the painting Muybridge’s synchronous photography, Duchamp turned to painting and, with the geometric forms layered on top of each other, confronted a central problem of artistic work: movement in the static medium, the representation of the “brise imaginaire”[ viii]. At Duchamp, it emerges as his own artistic movement. With the “act” he overcame his early artistic work as a painter, finds the object and finally the ready made. In the work of art, this inner turn becomes a fundamental turn. There is a small drawing of Miro’s same title from 1924, on which a single, fine curved line is juxtaposed with the static elements. For Uwe Fleckner, the drawing “marks nothing less than the surrealist break with the avant-garde that had prevailed until then”. [ix]

The picture shows what it is: transition; from one state to another, from one to another room. In the specific case of Mir’s drawing, this transition is defined by its form of abstraction, which derives the image from the viewer’s associations associated with the forms and signs. The image does not gather numerous views of the outside space in a cubist, multi-perspective pictorial space, it is space of offense, directing the gaze back into the viewer. Instead of displaying an exterior over its invisible pages in the image, the image takes this exterior to give an interior. The transition room that constitutes the work of art is emptied, there are allusions that look in the rich pool of images, which could be seen.

Duchamp’s act and its consequences made fruitful for the visual arts, which the philosopher Gilbert Simondon will later call “relative appearance of the image.” Each image is already the result of an imaginary process that turns a light impression into an image. This process depends on external objects, the image object, and on inner objects, the imaginary objects. There is an exchange between the two. Unlike the perceptive subject, which remains separated by the object from the world it desires to see, images can change sides, can belong entirely to the world of objects and at the same time to those of the subjects, each making new alliances. They are “relatively external”. “Almost all objects made by man,” Simondon writes, “are to some extent image objects; they carry latent meanings, not only cognitive, but also conative and affective-emotive meanings; Image objects are almost organisms, or at least germs, that can come back to life and develop in the subject.”[xi] Every image object is a transitional object. It stands between his own life and that given to him. It is “latent” in its meaning and existence.

Johann Schrallhammer depicts the equivalence of the context of action and transformation of form with the “Pechkubus”. “Quarantine” addresses the necessary separation from the other by the image object, which nevertheless makes it durable as such. With the “Stairway in the Wind Tunnel” comes in, which in both relationships between image – world, I – object determines its reference itself. The work answers the question, which makes it possible to turn to an image object in the first place: by withdrawal. Just as the pitch cube eludes a defined form, how the other person in quarantine escapes immediate access, so the stairs in the wind tunnel eludes both the fixed form and the access to the other, its purpose. It is an image object in motion, drawing in withdrawal the outline of the object and all the pictorial connotations, all the “germs” connected to the stairs. However, it does not allow a walk. You can’t climb the stairs. It is just in this sense image: “artificial presence” [xii] of the object. Her artificiality, her illusory character, deprives her of use and at the same time she becomes present through this withdrawal, as an image-object.

Schrallhammer’s staircase in the wind tunnel opens a transition room that leads to another level, another level. A pre-drawing, outline of what can become. Impossible to stop here. With its formal connotations and art-historical references, the image object draws the viewer into the process of images. In recognizing the form, in mapping the references, the gaze seeks to fix what the eye sees in order to reach identity via the object. Johann Schrallhammer knows this. That’s why he builds objects that change, evaporate. He calls up images with forms and materials, but not to direct the view to the inner part of the viewer. His objects lead into the outer space, through the image object, and we understand: In order to enter the world via the work of art, the transition space must be left.


Comments.


[i] Enn. III, 8 (30 = « Über die Natur, die Betrachtung, das Eine »), 7, 21–25, zit. nach: Marcus Coelen: « Morf – vom Umriss der Form », Armen Avanessian (éd.), Form. Zwischen Ästhetik und künstlerischer Praxis, Zürich – Berlin, diaphanes, 2009, p. 65-82, hier p. 70

[ii] Brüder Grimm: « Frau Holle », Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, 1857, http://de.wikisource.org/wiki/Frau_Holle_%281857%29, 14.4.2010

[iii] « Der Ursprung des Kunstwerkes », Martin Heidegger: Holzwege, Frankfurt/Main, Vittorio Klostermann, 1963 (4. Aufl.), p. 13

[iv] Donald W. Winnicott: Übergangsobjekte und Übergangsphänomene. Eine Studie über den ersten, nicht zum Selbst gehörenden Besitz, zuerst als Vortrag 1951, dann engl. 1953; dt. in: Psyche Nr. 23, 1969

[v] Barbara Wittmann: « Squiggle Game. Vom Witz des Zeichnens zu vier Händen », deutschsprachiges Manuskript zum Beitrag « Le squiggle game : L’esprit du dessin à quatre mains », in: Roven, revue critique sur le dessin contemporain, no. 2, automne-hiver 2009-2010, p. 56-57.

[vi] Barbara Wittmann, a.a.O.

[vii] Gaston Bachelard: Poetik des Raumes. Aus dem Französischen von Kurt Leonhard., Frankfurt/Main, Fischer, 2003 (7. Auflage), p. 74

[viii] Aby M. Warburg: « Sandro Botticellis „Geburt der Venus“ und „Frühling“. Eine Untersuchung über die Vorstellungen von der Antike in der italienischen Frührenaissance. [1893] », Aby M. Warburg, Ausgewählte Schriften und Würdigungen, hg. v. Dieter Wuttke , Baden-Baden, 1992, p. 11-65, p. 24

[ix] Uwe Fleckner: « Zeichnung als Kritik. Miró, Duchamp, Warburg und ein Akt, der eine Treppe herabschreitet », Werner Busch (éd.), Randgänge der Zeichnung, München, Fink, 2007, p. 325-342, hier p. 341.

[x] Gilbert Simondon: Imagination et Invention (1965–1966), Chatou, Les Éditions de la Transparence, 2008 (Édition établie par Nathalie Simondon et presentée par Jean-Yves Chateau), p. 8, Übersetzung J.E.S.

[xi] Gilbert Simondon: Imagination et Invention (1965–1966), a.a.O., p. 13, Übersetzung J.E.S.

[xii] Lambert Wiesing: Artifizielle Präsenz. Studien zur Philosophie des Bildes, Frankfurt/Main, Suhrkamp, 2005