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Der Schriftsteller Abdourahman A. Waberi aus Dschibuti nimmt in seinem soeben in der Edition Nautilus erschienenen Roman „Die Vereinigten Staaten von Afrika“ eine Perspektivumkehr vor und schreibt:

Da sitzt er, ausgelaugt. Schweigend. Eine flackernde Kerze wirft spärliches Licht auf die Kammer des Zimmermanns im Gastarbeiterheim. Der Weißhäutige aus der Ethnie der Schweizer spricht einen deutschen Dialekt und behauptet steif und fest, im Zeitalter von Jet und Web vor Gewalt und Hunger geflohen zu sein. Er hat sich jedoch jene Aura bewahrt, die schon unsere Krankenschwestern und Entwicklungshelfer faszinierte. Nennen wir ihn Yacouba, erstens, um seine Identität zu schützen, und zweitens, weil er einen Familiennamen hat, bei dem man sich die Zunge aushaken würde. Er wurde in einer verseuchten Favela der Region Zürich geboren, wo Kindersterblichkeit und Aids – eine Geißel, die erstmals vor bald zwei Jahrzehnten in den von Prostitution, Rauschgift und Laster verderbten Milieus Griechenlands auftrat und sich zu einer weltweiten Epidemie entwickelte, wie dies von der Versammlung der Hohenpriester der globalen Wissenschaft in Maskat im wackeren Königreich Oman festgestellt wurde – Rekordwerte erreichen; so jedenfalls lauten die Studien der Weltgesundheitsorganisation WHO, die ihren Sitz bekanntlich in unserer schönen und friedlichen Stadt Banjul hat.

Abdourahman A. Waberi: In den Vereinigten Staaten von Afrika. Roman

Deutsche Erstausgabe. Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Katja Meintel. Gebunden mit Schutzumschlag, 160 Seiten, ca. 16 Euro. Das Buch erscheint Ende Februar 2008. ISBN 978-3-89401-563-3

EN

O’ heart of all hearts,

cradle of civilization,

I trace your bloodlines

pumped from your essence

to every corner of this world.

You gave life, continue to beat

and bleed to keep this earth alive.

Foreign donors operate from your bloodbank, transplanting

 bloodsuckers and bloodshed, your own, blood of your blood

 contaminate the noble paths that flow through you.

 Sacrificial lamb, symbol of sacrifice, what will happen to this

 world when you stop beating?

gewidmet von  Diana Ferrus (South African poet)  Febr. 2008